15, Februar, 2009
Der Geistliche schleppt sich die klobigen, steinernden Stufen des gigantischen barocken Kirchengebäudes hinauf. Seine weiße, ein wenig zu lang geratene Kutte zerrt mit jedem Schritt an seinen Knien. Die Knochen schmerzen.
Es sind über 250 hohe, schwere Steinstufen (er hatte sie einmal gezählt) vom unteren Kirchenschiff hinauf in die Kanzel hoch über den Holzreihen.
Einer seiner Vorgänger, er gab sich selbst den Namen Pius Maximus, betrachtete die Kanzel als “Quelle der gesprochenen Heiligkeit und Offenbarung”, als verbindenden Ort zwischen Gottesgleichheit und weltlicher Existenz als predigendes Sprachrohr seiner Heiligkeit (so hatte sich Pius Maximus seinerzeit auszudrücken vermocht; seine Worte sind in den Institutsschriften der anliegenden Kellerbibliothek nachzulesen). Daher sah er es als notwendig an, symbolische Kraft walten zu lassen und die Kanzel hoch oben, bald unter das kuppelartige Dach, weit über den Menschen, einbauen zu lassen. Wie die Sonne sollen damit die Worte des Predigers im gesamten Kirchenraum scheinen und von den Zuhörern gespannt aufgefangen werden und wirken.
Völliger Quatsch, denkt sich der Geistliche und verflucht die vielen schweren steinernden Stufen.
Doch die Kanzel selbst ist des Aufstiegs Mühe wert. Sie ist groß und geräumig und daher auch für korpulentere Menschen wie ihm geeignet. Der Kanzelkorpus ist aus massivem, hellem Stein, kunstvoll ornamental gestaltet, mit Engeln und Blumenmustern.
Nun steht er da, hat sich erholt von den Stufen hinauf, holt tief Luft und setzt zum ersten lauten Wort an. Es hallt hoch oben nahe der Kuppel. Die Akustik, denkt er sich, die ist vorzüglich, das hatte sein Vorgänger gut bedacht. Nur wäre es auch besser gewesen, wenn man von der Kanzel hier hoch oben auch hinunter in den Kirchenraum zu den Zuhörern sehen könnte. Die Kanzel war schlicht zu hoch, der Geistliche erblickt nur die gegenüberliegende Turmwand, selbst wenn er sich weit genug vorbeugte.
Aber die Luft hier oben ist auch nicht schlecht, denkt er sich und spricht einfach weiter.
M.H.
12, Februar, 2009
Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Wir haben Krise!
oder
Der große träge sprechdose-Blog hat einen kleinen Bruder bekommen, der besser in die kleinen Ritzen des täglichen Lebens passt:
Ab sofort findet Ihr auf dieser Seite ——> DORT rechts ——–> in unbestimmter Frequenz 140-Zeichen-Kognitions-Nuggets!
Wer es direkter mag, kann sich auch direkt an www.twitter.com/sprechdose wenden.
17, Januar, 2009
Am Dienstag bekommt die Welt bekommen die USA ganz offiziell ihren neuen Präsidenten, Barack Obama.
Bereits vor der Wahlentscheidung im November 2008, galt Obama als nie dagewesener Politikstar, Weltverbesserer, Repräsentant der geschundenen U.S.-amerikanischen Unterschicht sowie der schwarzen Bevölkerungsgruppen. Obama gilt bereits zu dieser Zeit als geschichtsträchtige Figur.
Shepard Faireys Plakate von Barack Obama sind in diesem Zusammenhang in den USA zu echten Ikonen des historischen Wahlkampfs geworden.

Nun darf jeder ein Obama sein, dank schneller virtueller Spielerei:

CHANGE Your Appearance!
http://obamiconme.pastemagazine.com/
8, Januar, 2009
Medien sind nichts anderes als Fischstäbchen.
1, Januar, 2009
Erst SAUFEN, dann LAUFEN!
27, Dezember, 2008
…im klar-blauen Chlorwasser schiebt sich ein runder Mann wie eine baggernde Seerobbe durchs Wasser…
…das Haar vieler Frauen wird erstaunlicher Weise nicht nass: sie recken ununterbrochen ihr Köpfchen aus dem Wasser und weichen jedem Tropfen gekonnt aus…
…es gibt Schwimmmuttis, die haben das durch soziale Praxis optmierte Talent, sich immer im Weg schnellerer Schwimmer wiederzufinden…
…abseits des Beckenrandes erwärmen sich zwei ganz tolle Hirsche über zwanzig Minuten mit aufdringlichen Armruderbewegungen, Sit-ups, Hüftseitenhebern und Popokreisern…
…der Bademeister verbietet Mutter Ingrid, die Verwendung von Schwimmflossen im Schwimmerbecken durch ihre Tochter; er sei ja auch Taucher, aber Badeordnung sei Badeordnung…
…es gibt ein Wesen im Schwimmerbecken, das solch erheblichen Mundgeruch sein Eigen nennen darf, dass man es sogar durch das Wasser riecht (wenn man vorbei schwimmt) – oder es sind die Füße…
…Eiserne Regel zur Hemmung eines reibungslosen Schwimmablaufs: >>Bist Du eine langsame Schwimmqualle, immer schön in der Mitte schwimmen! Zur Optimierung dieser Regel wird empfohlen sich mit gleichartigen Schwimmquallen insofern zusammenzutun, als dass in einer Linie, nebeneinander, im Gleichtakt geschwommen gefloatet wird.<<
…Menschen gehen gerne in die Schwimmhalle, um sich dann eine Schwimmbrille auf den Kopf setzen zu können, sich effektvoll mit Wasser zu benetzen und sich anschließend atemberaubend authentisch an den Beckenrand zu hängen/stellen/kleben – am besten so lange wie möglich und bestmöglich im Kollektiv in einer Reihe (sollen die Schwimmer doch sehen, wo sie ihre Beckenwende machen). Gerne gesehen sind in diesem Zusammenhang auch beschwingte Leichtkörperübungen wie Fußspringbrunnen, Schulterkreisen (natürlich bei ausgestreckten Armen! Wie denn sonst?) und solche körperlichen Crossover-Geschichten zwischen Mann und Frau (ihr wisst schon).
…Chlorwasser hat meine Haare zu einem Haufen Stroh gemacht. Vielleicht doch eine Badekappe nächstes Mal – und einen Elektroschocker und einen kleinen Knüppel…
24, Dezember, 2008
“Eine glückliche Seele, das ist wahre Religion.”
tibetischer Mönch
Also, her mit den Geschenken… ;-)
26, September, 2008
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LOOK UP
YOUNG MAN,
LOOK UP
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6, September, 2008
Heute vormittag war ich in ein semi-philosophisches Gespräch verwickelt.
Dabei stellte ich fest, dass ich nicht sehr viel halte von der Spezies ‘Mensch’ im Allgemeinen und dass ich den Glauben an unser angeblich hochkultiviertes Gesellschaftswesen verloren habe.
Warum, wurde ich gefragt, wie käme ich zu diesem Schluß?
Circa 7 Stunden später fand ich auf diese Frage eine klare, direkte, unmißverständliche Antwort:
Im Supermarkt werden bereits Weihnachtsstollen angeboten.
18, August, 2008
“[...] these findings are not generalizable, yet they may open the door to future research” (Bissell 2000, S. 91)
Bissell, Kimberly L. (2000): A return to ‘Mr. Gates’: Photography and objectivity. In: Newspaper Research Journal, Vol. 21, No. 3, S. 81-93