Es ist erstaunlich, dass es den Leuten einfach nichts auszumachen scheint. Sie ertragen freiwillig und ohne zu zucken die EM-Kommentatoren im Ersten Deutschen Fernsehen und dem ZDF. Obwohl Beckmann, Simon, Bela Rethy und Co mit ihren dahingestaksten Phrasen nur noch langweilen, verwirren und das eigentliche Fußballerleben mit Statistiken und übertriebener Besserwisserei und Pseudo-Seriösität zukleistern.
Aber ein kleines, unscheinbares und obendrein kostenloses Kindermagazin („Junior“; u.a. beim Optiker erhältlich) hat dieses Problem erkannt, geht als ein medienpädagogisches Vorbild vorneweg und legt uns das Medium ‘Radio’ ans Herz:
In diesem Sinne: Es lebe das Public Listening mit ARD-Radiokommentatoren wie Breuckmann, Töpperwien oder Lehmann, die etwas von ihrem Handwerk verstehen und den Hörer emotional zu bewegen wissen.
Manchmal ist eben nur Hören mehr, als Sehen können und Hören müssen.

4 Kommentare
14, Juni, 2008 um 11:00
Sei froh, dass du die EM nicht im Public Viewing beim Schweizer Fernsehen guckst. Die sind nicht nur noch inkompetenter, sondern auch noch verdammt einschläfernd… Also das sind ARD und ZDF wahre Perlen gegen!
16, Juni, 2008 um 8:20
Ich schalte einfach die Audiospur des Fußballereignisses stumm, wenn sie mich beim Genuß des Visuellen stört.
Aber das Visuelle zu eliminieren, wenn einen doch eigentlich nur das Auditive stört, finde ich schon ein wenig krass.
Das ist ja, wie wenn man sich den Kopf absägt, nur, weil einem der Weisheitszahn wehtut.
Oder so.
17, Juni, 2008 um 9:19
Lieber Ralph,
vielen Dank für Deinen Beitrag (so fangen doch typischerweise schleimige Antworten auf Leserbreife an).
Natürlich ist die Entscheidung, das Visuelle zu eliminieren, nicht die einfachste gewesen.
Dennoch: Eine Selbstanalyse hat gezeigt, dass mir das Auditive für das Gesamterleben Fußball wichtiger ist als das Visuelle. Erst durch den Ton entsteht Dramatik, erst durch den Ton können fiese Strafraumszenen brenzlich werden, und erst durch den Ton fängt mein Körper unter Umständen an, auf Schnappatmung umzustellen.
Einfach mal ausprobieren: Das blanke Bild komplett ohne Ton (auch ohne Stadionatmo) ist nur ein Bruchteil von dem, was wir unter Fußballerlebnis verstehen.
Nun kann man einwenden, warum hörst Du nicht einfach den Radio-Kommentar und glotzt dabei in die stummgeschaltete TV-Kiste? Leider geht dies nicht, weil das Fernsehbild mit einer ungefähren Verzögerung von 2 Sekunden versendet wird. Das heißt, wenn Manni Breuckmann im Radio „Toooooor!“ ruft, würde mein Auge gerade mal den Vorbereitungspass auf den Torschützen dazu sehen. Das ist ja nun auch keine Lösung. :-)
Nun bin ich auch kein Visual-Hasser. Im Gegenteil, ich liebe geile Kamerakranschwenks, die Seitenlinien-Steady Cam und neuerdings die fahrenden Dachcams. Und das Optimale wäre für mich ein tolles Bild und ein dufter Ton.
Am Donnerstag versuche ich wieder beides – die Hoffnung ist also nicht aufgegeben.
Herzlichst :-)
Marc
24, Juni, 2008 um 4:23
Das mit den 2 Sekunden Bildverzögerung war mir gar nicht bewußt. (Und so einer will „was mit Medien machen“! Unerhört!)
Vielen Dank also für die ausführliche Darlegung Ihrer Beweggründe, Herr Hoffmann! :-)
Zur Thematik wurde mir eben zudem noch ein Link vor die Füße geworfen:
http://www.welt.de/fernsehen/article2139879/Die_EM-Kommentatoren_in_der_Einzelkritik.html
Nett.